Dienstag, 14.11.2017

Rückblick auf zwei ereignisreiche Monate

Jetzt sind schon zwei Monate vergangen, seitdem ich hier in Chile angekommen bin, und ich dachte, ich ziehe mal ein kleines Fazit über das, was ich so erlebt habe und wie es mir hier ergangen ist.

Die Stadt gefällt mir sehr gut, auch wenn es sehr viel regnet hier, vor allem in den Fluss hab ich mich sofort verliebt. Man kann es getrost als Großstadt bezeichnen, jedoch ist das Stadtzentrum nicht groß genug, um ein Landei wie mich zu sehr zu verwirren. Jedoch vermisse ich es sehr, einfach mal für ein paar Stunden auf Feldwegen und in Wäldern verschwinden zu können und einfach niemandem zu begegnen, so wie ich das zuhause immer gemacht habe. Das ist hier absolut nicht möglich.

Auch die anderen Teile von Chile, die ich bis jetzt gesehen habe, haben mir sehr gut gefallen. Vor allem in der Region um Valdivia muss man eigentlich nur 15 Minuten mit dem Auto aus der Stadt fahren und man trifft sofort auf umwerfende Landschaften, seien es Berge, Sümpfe, der Ozean oder die zahlreichen Seen und Flüssen, die es hier eigentlich überall gibt. Die Region heißt nicht umsonst "Region de los Rios" (Region der Flüsse). Ich hab die Reisen und Ausflüge, die ich bis jetzt gemacht habe, sehr genossen und möchte auf jeden Fall so oft, wie es mein Arbeitsplan und mein Geldbeutel hergeben, neue Gebiete und Städte erkunden laughing

Ob die Arbeit meinen Vorstellungen entspricht, kann ich gar nicht so genau sagen, weil ich mir vor der Abreise gar nicht so viele konkrete Gedanken darüber gemacht habe. Am Anfang war ich jedoch nicht so sehr begeistert, da ich absolut nichts zu tun hatte und mich ziemlich überflüssig gefühlt habe. Seitdem ich jetzt aber fest einer Gruppe zugeteilt bin, verbessert sich das merklich und ich beginne, meine Schüler ins Herz zu schließen. Das kann auch ein bisschen damit zu tun haben, dass sich mein Spanisch (oder besser gesagt Chilenisch, mit reinem Castellano kommt man hier nicht weit wink) schon deutlch verbessert hat und ich mit meinen Schülern auch schon über Banales plaudern oder scherzen kann. Trotzdem muss ich sagen, dass "wirkliches Arbeiten" deutlich anstrengender ist, als in der Schule zu sitzen und sich berieseln zu lassen. Da ich eigentlich den ganzen Tag stehe, habe ich immer schwere Beine und bin froh um jede Gelegenheit, mich setzen zu können. Aber zumindest ist es nicht mehr so lähmend kalt wie am Anfang und ich habe nur noch drei statt fünf Oberteile an wink Außerdem hat mir mein Anleiter gestern erzählt, dass wir fpr nächsten Winter wahrscheinlich eine Zentralheizung in den Klassenräumen bekommen...wenn ich ihn richtig verstanden habe. Aber jetzt wird es ja erst mal Sommer und das merkt man auch.

Wenn ich über die vielen Begegnungen nachdenke, die ich hier bis jetzt hatte, und die vielen Leute, die ich kennengelernt habe, muss ich auf jeden Fall sagen, dass die Chilenen generell sehr offen und gastfreundlich sind und ich viele schöne Stunden mit netten Gesprächen und leckerem Essen zugebracht habe...ich hoffe, dass ich nicht zu sehr zunehme, aber zum Glück stell ich mich ja aus Prinzip eigentlich nie auf die Waage. Ich bin immer wieder aufs Neue erstaunt, wie großzügig die Leute hier mit allem umgehen, was sie haben und wie selbstverständlich man sich den anderen annimmt. Jedoch ist auch nicht immer alles so toll, gerade heute Nachmittag zum Beispiel habe ich eine sehr unschöne Erfahrung gemacht. Meine Mitfreiwillige hat mir erzählt, dass sie von einer Arbeitskollegin zu deren Geburtstagsfeier eingeladen wurde, mit derstrikten  Anweisung, es mir nicht zu sagen, denn ich bin offensichtlich nicht eingeladen. Es hat schon ziemlich wehgetan, mitzubekommen, dass jemand einen so wenig leiden kann, zumal ich mir absolut nicht erklären kann, was ich falsch gemacht habe. Ich weiß, dass ich von Natur aus nicht die offenste Persönlichkeit habe, aber ich hab mir wirklich Mühe gegeben, eine gute Beziehung zu meinen Arbeitskollegen aufzubauen. Anscheinend war das aber doch nicht so erfolgreich. Das hat mich ziemlich traurig gemacht, aber ich bin trotzdem froh, dass Martha es mir nicht vorenthalten hat und selbst gesagt hat, dass sie es nicht verstehen kann. In solchen Situationen wird mir immer schmerzlich bewusst, dass ich hier in gewissermaßen doch ganz alleine bin und eben niemand da ist, der mich auch mal in den Arm nimmt. Das vermisse ich glaub ich am allermeisten.

Ein weitere Punkt, der mir gerade sehr viel Kopfzerbrechen bereitet, ist meine Gastfamilie. Die Beziehung war von Anfang an eher weniger herzlich und ich hab mich in einigen Situationen auch sehr unwohl gefühlt, weil man einfach merkt, dass ihre Mentalität und ihr Lebensstil nicht zu mir passen. Dazu kommt, dass ich inzwischen immer mehr Probleme mit meinem Asthma bekomme, weil beide ihre Zigaretten und der Sohn auch sein Marihuana regelmäßig auch im Haus rauchen. Ich persönlich würde gerne die Gastfamilie wechseln und theoretisch wäre das auch ohne größere Probleme möglich, jedoch stehe ich jetzt vor dem Problem, dass ich keine Ahnung habe, wie ich meiner Gastmutter (die sich schon Mühe gibt, eben so wie sie es für richtig hält) erklären soll, dass ich mich bei ihnen einfach nicht wohl fühle...egal wie man es formuliert, es ist doch immer eine blöde Situation.

Man kann also sagen, dass ich nach den zwei ersten Monaten meines Auslandsjahres eher mit gemischten Gefühlen ins Bett gehen werde, was aber nicht heißt, dass ich nicht gespannt bin, was die nächsten paar Monate bringen werden.

Ich wünsch euch allen eine schöne Zeit!